Bei Inès Alaya

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Bei Inès Alaya

Sammlung Andreas Fogarasi #1: Edges of Material
Antoinette Zwirchmayr, Christoph Weber, Peter Shire, Sasha Pirker, Dóra Maurer

25.7. – 8.9.2018

Inès Alaya eröffnete 2013 ihren Shop auf der Wiedner Hauptstraße und verkauft dort ihre eigene Mode sowie Kleidung und Accessoires weiterer Labels. Das Geschäftslokal bildet mit der benachbarten “Winzerkönigin” und dem “Naber Café” ein Ensemble weitgehend originaler Portale aus den 1950er und 60er Jahren. 2017 gelang es, das danebenliegende Lokal dazuzumieten, das seither als Atelier und Werkstätte dient. Der Künstler Andreas Fogarasi war für die Umbauten der beiden Lokale verantwortlich. Nun zeigt er hier in assoziativ-thematisch organisierten Kapiteln seine private Kunstsammlung.

Schaufenster:

Antoinette Zwirchmayrs Kurzfilm “The Open Sea” (2014) behandelt Ränder und Grenzen auf mehrfache Weise. Sie verwendet dafür Anfang und Ende von 16 mm Filmaufnahmen der Iguazu Wasserfälle an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Diese Filmenden werden durch das Öffnen der Kamera beim Filmeinlegen und -rausnehmen unbrauchbar, das durch den Lichteinfall entstandene Farbflickern korrespondiert rythmisch mit den Wassermassen, die tosend aufeinanderschlagen, und das Ende der analogen Filmentwicklung in Österreich betrauern.

Auch bei Dóra Maurers Aquatinta-Radierung “B11. Erdschnitt” (1970) bildet sich ein doppelter Übergang ab. Abseits der Erdschichten die sie abbildet der methodische zwischen dem klassischen Ritzen der Kupferplatte am unteren Bildrand, und der durch Säure unplanbar bearbeiteten, ausgefransten Oberkante. Dieser Übergang ist auch einer in Maurers Arbeit, die kurz danach die Grafik hinter sich lassen sollte, um ein fotografisches, konzeptuelles Werk zu entwickeln, später Malerei und räumliche Interventionen. Christoph Weber dokumentiert in seinem unbetitelten Objekt (2016) geradezu alchemistisch die Grenzbereiche erhärtenden Betons. Präzise errechnet im butterweichen Zustand wird ein Betonquader von seiner Schalung befreit und gleitet eine schiefe Ebene hinunter. Diese entropische Formveränderung erhärtet schliesslich, und liefert ein skulpturales Bild von Bewegung und Prozess, von Schwere und Fragilität.

Shop:

Sashas Pirker Fotografie “Cinema” (2011) zeigt einen Moment aus dem Umbau des Wiener 20er Hauses, heute Belvedere 21. Durch eine Mauerdurchbruch sieht man eine Rampe – sie dient dem Kinosaal, wesentlicher Bestandteil des Gebäudes, das ursprünglich 1958 als österreichischer Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel gebaut wurde. Sein Standort an einer Stadtkante im Wiener Schweizergarten befindet sich seit der Verlegung des Bahnhofes in radikalem Wandel, das Kino wird regelmäßig mit den Werken von KünstlerInnen und FilmemacherInnen bespielt.

Peter Shire’s “Odd Bit” (2013) ist ein Reststück seiner keramischen Arbeiten, ein Randstück, das die Spuren ausgestochener Formen bewahrt und normalerweise weder erhalten noch weiterbearbeitet wird. Shire aber bemalt, glasiert und brennt die Teile, verkauft sie günstig als autonome kleine Skulpturen und betont somit die fliessenden Übergänge zwischen Design und Skulptur, Kunst und Alltag, die seine Praxis kennzeichnen.

Antoinette Zwirchmayr, *1989 in Salzburg, lebt in Wien
Dóra Maurer, *1937 in Budapest, lebt in Budapest
Christoph Weber, *1974 in Wien, lebt in Wien
Peter Shire, *1947 in Los Angeles, lebt in Los Angeles
Sasha Pirker, *1969 in Wien, lebt in Wien

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