Bei Inès Alaya

Bei Inès Alaya
Sammlung Andreas Fogarasi #3: Elsewhere
Peter Bartoš, Alighiero e Boetti, Josef Dabernig, Zsolt Keserue, Alice Könitz, Sonia Leimer
25.3. – 10.5.2020

Wir bleiben die meiste Zeit zu Hause, manchmal vertreten wir uns kurz die Füße. Dies ist die dritte Ausstellung der Sammlung Andreas Fogarasi bei Inès Alaya, damit es auch abseits von Handy- und Computerbildschirmen ein wenig Kunst zu sehen gibt, in Wien.

Aus Anlass der aktuellen Ausgangsbeschränkungen kreist die Auswahl um Bilder von Nähe, Distanz, und der Sehnsucht nach Ferne. Eine Landkarte von Peter Bartos, eine Wegration von Zsolt Keserue, eine Skulpturenfamilie von Alice Könitz, Puzzles von Alighiero e Boetti, ein Satellitenbild des Mars von Sonia Leimer und Josef Dabernigs Aufzeichungen über den Benzinverbrauch seines Lancia.

Spazieren oder radeln Sie in die Wiedner Hauptstrasse, schauen Sie in die Auslage. Wir werden uns nicht sehen, aber schreiben Sie uns, kommentieren Sie, posten Sie Bilder!

  

WERKE

Der Tschecho-Slowakische Künstler Peter Bartos untersucht in seinen ökö-konzeptuellen Aktionen, Zeichnungen und überarbeiteten A4 Fotokopien seine unmittelbare Umgebung. In kreisförmiger Reisebewegung reist er unablässig durch Mitteleuropa, dokumentiert und kommentiert Topografie, urbane Entwiclungen und Tierwelt.

Die beiden Puzzles „Cieli ad alta quota“ (1992) hat Alighiero e Boetti im Rahmen von Museum in Progress als Bordspielzeug für die Austrian Airlines geschaffen. Sie übersetzen seine gemalten Himmelsszenen vom elementaren und technisierten Menschheitstraum des Fliegens in den ressourcen- und platzschonenden Zeitvertreib des Bilderlegens.

Josef Dabernig ist ein genauer Beobachter menschlicher Zwänge und kultureller und körperlicher Alltagsutopien. Seine „Tankstellen- und Benzinstatistik für LANCIA THEMA i.e. Katalysator“ (2007) gibt tabellarisch genau Aufschluss über seine Reisen (vorwiegend in Osteuropa und Italien), und den damit einhergehenden Energieverbrauch.

Zsolt Keserues Leuchtobjekt „Empathiebox“ (2004), eine Frischhaltebox die zum Leuchtkasten adaptiert ist, zeigt ein Foto aus einem halböffentlichen Wartebereich. Die triste, menschenleere Szene ist portabel und fordert (oder konserviert?) leuchtend Empathie – durch Isolation?

Alice Könitz‘ „Sculpture Family“ (2015), eine modellhafte Gruppe kleiner Skulpturen wirkt auf ihren drei- und vierbeinigen Gestellen wie Raumantennen, der Titel betont das antropomorphe der kohärent schimmernden Gruppe. Die reflektierenden Oberflächen weisen in alle Richtungen, kommunizieren untereinander und mit dem Aussenraum.

Ebenfalls reflektierend zeigt sich die silberne Folie, die für Sonia Leimers Siebdruck „1965“ (2013). Das aluminiumbedampfte Material stammt aus der Forschung für Weltraumbekleidung, das Motiv zeigt eines der ersten Satellitenbilder, die die NASA vom Mars erstellt hat – eine unscharfe Aufnahme der Sehnsucht nach der Welt allerfernsten Orten.

Peter Bartoš *1938 in Prag, lebt in Bratislava
Alighiero e Boetti *1940 in Turin, †1994 in Rom
Josef Dabernig *1956 in Kötschach-Mauthen, lebt in Wien
Zsolt Keserue *1968 in Budapest, lebt in Budapest
Alice Könitz, *1970 in Essen, lebt in Los Angeles
Sonia Leimer *1977 in Meran, lebt in Wien

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Bei Inès Alaya
Sammlung Andreas Fogarasi #2: Schemas
Shannon Ebner, Jiri Valoch, Katalin Káldi, Irina Lotarevich und Zsolt Tibor
30.7. – 8.9.2019

  

Shannon Ebners Arbeit widmet sich der Erforschung von Sprache als System. An die Stelle einer universellen Verständlichkeit tritt eine skulpturale und photografische Auseinandersetzung mit Zeichen und (Pseudo-) Alphabeten. Für ihre Foto-arbeit „Primer“ (2012) rekreiert sie aus Betonbausteinen die Covergestaltung des 1973 bei MIT Press erschienenen Buches „A Primer for Visual Literacy“ der Grafikdesignerin Donis A. Dondis, eines pädagogischen Leitfadens zum bewussten Umgang mit den Codes visueller Kultur.

Jiri Valoch ist einer der führenden Vertreter von Konzeptkunst und visueller Dichtung in der früheren Tschechoslowakei und hat mit einfachen Mitteln ein Werk von grosser Klarheit, Poesie und trockenem Humor geschaffen. Seine diagrammatische Grafik „Expansion?“ (1968) kann unmittelbar politisch gelesen werden, als die Frage welche Auswirkung Druck von aussen – der Einmarsch sowjetischer Truppen im Prager Frühling 1968 – auf ein geschlossenes System hat.

In Katalin Káldis meist kleinformatigen Malereien werden profane Objekte und grafische Elemente zu Arrangements von beinahe mathematischer Sturheit angeordnet. Regeln und Zwänge treffen auf Zufall und humorvolle Einfälle. In „Gruppenbild“ (2010) sind es Stahlkugeln für Kugellager, die zu schemenhaften Gesichtern arrangiert sind, die die Bildfläche in gleichmässigem Raster besetzen und zwischen Abstraktion und zeichenhaftem Realismus changieren.

Irina Lotarevich‘s beschäftigt sich in ihrer skulpturalen Praxis mit Beziehungen zwischen psychischen Zuständen und der Aussenwelt, mit Überwachung und Teilhabe. Ihr Objekt „Schema for Knives“ (2017) setzt die ausgestanzten Umrisse von Messerklingen in die radialen Schlitze eines aus Aluminium gegossenen Verbindungsknotens. Die (gefundenen) Stahlreste aus der Messerproduktion weisen mal nach aussen, mal nach innen, markieren einen Ort und kreieren ein Interface von Abwehr und Einbezug.

Zsolt Tibors primäres Medium ist die Zeichnung auf Papier, wobei neben mit großer Souveränität gezeichneten Figuren eine Vielzahl weiterer, oft repetitiver Elemente tritt. Sein auf Millimeterpapier ausgeführter Siebdruck „Boss“ (2012) lässt reproduzierte, gespiegelte, schematisierte Natur auf das universelle Raster der minutiösen Planung treffen. In seiner antropomorphen Anmutung als Kopf oder Wappenfigur lesbar, deutet der Titel auf die Beschäftigung Tibors mit sozialen und piktorialen Hierarchien.

Shannon Ebner *1971 in Englewood, New Jersey, lebt in Los Angeles
Katalin Káldi *1971 in Budapest, lebt in Budapest
Irina Lotarevich *1991 in Rybinsk, lebt in Wien und New York
Zsolt Tibor, *1973 in Budapest, lebt in Wien
Jirí Valoch, *1946 in Brno, lebt in Brno

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Bei Inès Alaya
Sammlung Andreas Fogarasi #1: Edges of Material
Antoinette Zwirchmayr, Christoph Weber, Peter Shire, Sasha Pirker, Dóra Maurer
25.7. – 8.9.2018

Inès Alaya eröffnete 2013 ihren Shop auf der Wiedner Hauptstraße und verkauft dort ihre eigene Mode sowie Kleidung und Accessoires weiterer Labels. Das Geschäftslokal bildet mit der benachbarten “Winzerkönigin” und dem “Naber Café” ein Ensemble weitgehend originaler Portale aus den 1950er und 60er Jahren. 2017 gelang es, das danebenliegende Lokal dazuzumieten, das seither als Atelier und Werkstätte dient. Der Künstler Andreas Fogarasi war für die Umbauten der beiden Lokale verantwortlich. Nun zeigt er hier in assoziativ-thematisch organisierten Kapiteln seine private Kunstsammlung.

Schaufenster:

Antoinette Zwirchmayrs Kurzfilm “The Open Sea” (2014) behandelt Ränder und Grenzen auf mehrfache Weise. Sie verwendet dafür Anfang und Ende von 16 mm Filmaufnahmen der Iguazu Wasserfälle an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Diese Filmenden werden durch das Öffnen der Kamera beim Filmeinlegen und -rausnehmen unbrauchbar, das durch den Lichteinfall entstandene Farbflickern korrespondiert rythmisch mit den Wassermassen, die tosend aufeinanderschlagen, und das Ende der analogen Filmentwicklung in Österreich betrauern.

Auch bei Dóra Maurers Aquatinta-Radierung “B11. Erdschnitt” (1970) bildet sich ein doppelter Übergang ab. Abseits der Erdschichten die sie abbildet der methodische zwischen dem klassischen Ritzen der Kupferplatte am unteren Bildrand, und der durch Säure unplanbar bearbeiteten, ausgefransten Oberkante. Dieser Übergang ist auch einer in Maurers Arbeit, die kurz danach die Grafik hinter sich lassen sollte, um ein fotografisches, konzeptuelles Werk zu entwickeln, später Malerei und räumliche Interventionen.

Christoph Weber dokumentiert in seinem unbetitelten Objekt (2016) geradezu alchemistisch die Grenzbereiche erhärtenden Betons. Präzise errechnet im butterweichen Zustand wird ein Betonquader von seiner Schalung befreit und gleitet eine schiefe Ebene hinunter. Diese entropische Formveränderung erhärtet schliesslich, und liefert ein skulpturales Bild von Bewegung und Prozess, von Schwere und Fragilität.

Shop:

Sashas Pirker Fotografie “Cinema” (2011) zeigt einen Moment aus dem Umbau des Wiener 20er Hauses, heute Belvedere 21. Durch eine Mauerdurchbruch sieht man eine Rampe – sie dient dem Kinosaal, wesentlicher Bestandteil des Gebäudes, das ursprünglich 1958 als österreichischer Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel gebaut wurde. Sein Standort an einer Stadtkante im Wiener Schweizergarten befindet sich seit der Verlegung des Bahnhofes in radikalem Wandel, das Kino wird regelmäßig mit den Werken von KünstlerInnen und FilmemacherInnen bespielt.

Peter Shire’s “Odd Bit” (2013) ist ein Reststück seiner keramischen Arbeiten, ein Randstück, das die Spuren ausgestochener Formen bewahrt und normalerweise weder erhalten noch weiterbearbeitet wird. Shire aber bemalt, glasiert und brennt die Teile, verkauft sie günstig als autonome kleine Skulpturen und betont somit die fliessenden Übergänge zwischen Design und Skulptur, Kunst und Alltag, die seine Praxis kennzeichnen.

Antoinette Zwirchmayr, *1989 in Salzburg, lebt in Wien
Dóra Maurer, *1937 in Budapest, lebt in Budapest
Christoph Weber, *1974 in Wien, lebt in Wien
Peter Shire, *1947 in Los Angeles, lebt in Los Angeles
Sasha Pirker, *1969 in Wien, lebt in Wien

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